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Used

Used - benutzt, so ist der Titel des neuen Buches von Jona Dreyer. Ich nahm es skeptisch zur Hand. Ich blieb skeptisch bis zum Schluss. Definitiv war Skepsis einer der Hauptgedanken zu diesem Buch. Nur änderten sich die Gründe für diese Skepsis. Aber der Reihe nach. Angekündigt wurde das Buch als Gaydrama.. Ich mag Drama nicht, aber ich mag Jonas Bücher bisher immer. Aber Drama? Hmmm. Ich begann zu lesen und war angefixt. Saß wie angewachsen auf der Couch und die Gedanken rotierten. Gleichzeitig flogen die Augen nur so über die Zeilen. Hin und wieder überkamen mich kleine Seufzer wie "Ach herrje" oder ich schlug die Hand vor den Mund. Warum ich das erwähne? Weil mir das besonders aufgefallen ist, ich das sonst selten tue, eher statuenhaft dahocke und nichts von mir gebe. Die Charaktere, Max und Sylvain als Hauptfiguren und Alex als Nebenfigur, haben mich aufgewühlt. Dachte ich erst noch, der arme Sylvain und der faule böse betrügerische ausnutzende Alex, so schlich sich kurzfristig bezüglich Sylvain, ob seiner Behandlung von Max, ein Unwohlsein an. Der nächste Grund zur Skepsis. Wie kann ein Mann wie er, so ticken. Inwieweit ist es ein Kink oder echte Beleidigung? Diese Skepsis legte sich Seite für Seite. die Beweggründe wurden sichtbarer, nachvollziehbarer. Sylvain wurde mir immer sympathischer. Zeitgleich kam das Mitleid für Max, der Drang, ihm helfen zu wollen, ihn zu schütteln, zu rütteln und ihn anzubrüllen, er soll doch den Scheiss lassen. Ich war skeptisch, schon wieder, diesmal dahingehend, ob es Max schafft, den Absprung "von dort" zu schaffen. Skepsis in gleicher Weise, wie Max gegenüber Sylvain, was heckt der wirklich aus, kann das gut gehen? Das Buch hat eine Spannungskurve, die unglaublich ist. Kopfschütteln, eine der Hauptbewegungen beim Lesen. Die zwei Protas interagieren auf einer Ebene miteinander, die einem die Tränen ins Gesicht treibt,  einen auf der Couch noch mehr zusammensinken lässt, zuweilen eine innere Kälte auslöst, Gefühle hervorbringt, die man niemals erwarten würde. So viele Emotionen stürzen auf einen ein. Wieder Skepsis. Kann das gut ausgehen? Immerhin heisst es ja schon Drama. Und die Art der Sucht von Max ist eine der schlimmsten, die es gibt. Ich könnte jetzt stundenlang über meine Skepsis oder Emotionen beim Lesen berichten. Besonders als dort im Hotelzimmer, als Sylvain... ohhh nein. das könnt ihr selber lesen, jedenfalls blieb mir fast das Herz stehen.  Ich muss sagen, dass am Ende alle Skepsis fort war. Alle Fragen und Geheimnisse wurden geklärt. Ich wurde absolut in allen Belangen überzeugt. Ich liebe beide Protas, ich liebe die Spannungskurve, die einem einen ordenlichen Blutdruck beschert und ich liebe Schreibstil und Lesefluss. Grandios. Absolut anders als jemals erwartet, spannend, hervorragend, echt, detaillgetreu recherchiert. Man steht quasi mit den Männern in Arizona.  Sogar die - Achtung ganz winziger Spoiler - Die Szene mit beiden Protas in Moskau -  Wahnsinn, gut geschrieben, gut recherchiert. Absolute Leseempfehlung - 5 Sterne. Eines der wenigen Bücher, die ich signiert in Papier haben möchte, um immer wieder hinein sehen zu können. Ich liebe dieses Buch.

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